31 Review (carsten)

medieneffekt-31-review

Rob Zombie hat mittlerweile einige Filme gedreht, wobei er jedoch genremäßig keine großen Wagnisse eingegangen ist. Horror steht bei dem Herren auf dem Programm, und daran ändert auch sein neuester Streifen, 31, nichts. Die Ankündigungen waren groß und reißerisch. Sein härtester Film sollte es werden, krasser noch als The Devil’s Rejects oder gar der in Deutschland indizierte Halloween II. Soviel vorweg: nein, 31 ist nicht Rob Zombie’s brutalster Film. Warum man aber als Fan trotzdem enorm viel Spaß mit der dreckigen Menschgenjagt haben kann und wieso Richard Brake ganz großartig und gleichzeitig widerlich ist, verrate ich Euch in den folgenden Zeilen.

Eine Crew von Kirmesmitarbeitern reist im Jahre 1976 durch die USA. Am Halloween-Abend werden sie überfallen, entführt und in einen unbekannten Lagerhallen-Komplex gebracht. Hier wird ihnen von einigen aristokratisch gekleideten Leuten (u.A. Malcolm McDowell und Judy Geeson) eröffnet, was sie erwartet. 31, ein erbarmungsloses Spiel, in dem die fünf Entführten von durchgeknallten Verrückten, den sogenannten Heads, gejagt werden. Wer 12 Stunden überlebt, der hat seine Freiheit zurück gewonnen. Wer nicht, tja, der läuft Gefahr, von einer Kettensäge massiert zu werden. Das war’s. Also wirklich, mehr erzählt der Film nicht. Die Jungs und Mädels werden entführt, hauen dann ne Zeitlang vor den Heads ab und schlagen immer mal wieder zurück. Hintergründe zu den einzelnen Figuren oder gar dem Spiel an sich gibt es kaum, es geht nur um den blanken Überlebenskampf der Protagonisten. Wer also auf eine verzweigte Geschichte und tiefgründige Hintergrundinfos Wert legt, der wird mit 31 wenig anfangen können.

Rob Zombie-Typisch ist jeder Charakter ein absolut dreckiges, versautes, gewalttätiges und dauerfluchendes Arschloch. Das mag der ein oder andere übertrieben finden, es passt jedoch perfekt in die Welt, die erschaffen wurde. Die Leute sehen nicht so aus, als wären sie dreckig geschminkt worden, sondern als hätten sie sich tatsächlich einfach mehrere Wochen nicht unter die Dusche gestellt. Alles wirkt vollkommen organisch und wenn der hintlerwäldlerische Tankstellenbesitzer seinen zahnlosen Mund in Richtung Kamera streckt weiß man, wie viel Wert hier offensichtlich darauf gelegt worden ist, keinen Bruch in der ekelhaften Atmosphäre zu erzeugen. Die Sets stehen dem in nichts nach. Alles ist irgendwie verschwitzt, schmierig und schmutzig, ähnlich wie im originalen Texas Chainsaw Massacre, der generell eine große Inspirationsquelle für Zombies Werke darstellt.

Unter den Schauspielern findet sich natürlich auch wieder Rob Zombie’s Ehefrau Sheri Moon Zombie (Haus der 1000 Leichen, The Devil’s Rejects), die bei jeder Gelegenheit möglichst attraktiv und sexy von der Kamera eingefangen wird, was grade am Anfang nervt. Ja, wir haben verstanden, dass du eine heiße Schnecke geheiratet hast, Rob. Ansonsten spielt sie aber solide und weitaus weniger stressig als noch in ihren vorherigen Filmen. Monströses Highlight ist aber Richard Brake (Doom, Halloween II). Meine Güte ist der Kerl brillant ekelig. Er spielt einen der gefährlichsten Gegner der Entführten und wird Doomhead genannt. Schon zu Beginn des Filmes hält er einen Monolog quasi direkt ans Publikum gerichtet, der eindringlicher kaum sein könnte und direkt einiges klarstellt: “ I am not here to make you happy. I am not here to brighten your dismal day.  And I am certainly not here to elicit an amused response. I am here to end your miserable fucking life.“ Genial. Er spielt dermaßen überzogen Wahnsinnig, dass einem schlecht werden könnte. Einen so schmierigen und sadistischen Charakter habe ich selten erlebt. In jedem anderen Film wär er mit einer solchen Performance fehl am Platz, aber in 31 stellt er einfach die Krone der angsteinflößenden Gewalt dar. Versteht mich aber bitte nicht falsch, Richard Brake ist sicherlich nicht der nächste Oscar-Gewinner und wird niemals der größte Schauspieler aller Zeiten, aber in den dreckigen Welten, die Rob Zombie zeigt, ist er ein beeindruckender Höhepunkt.

Daneben möchte ich noch Jeff Daniel Phillips (The Lords of Salem) erwähnen, der einen der Entführten spielt. Das ist einfach ein sympathischer Kerl, den ich gerne sehe und der auch perfekt in die Filme von Rob Zombie passt. Kein Highlight wie Brake, aber trotzdem eine tolle Ergänzung des Casts.

Nicht ganz so kompromisslos wie bei den Charakteren zeigt sich 31 leider bei der Gewalt. Der Film ist ohne Frage hart, jedoch verhunzt beziehungsweise entschärft die Kamera so einige Szenen. Grade im Mittelteil, wo es recht deftig zur Sache gehen könnte, zuckt die Kamera so hektisch über das Geschehen, dass man kaum mitbekommt, was passiert. Das wirkt nicht dynamisch oder brutal, sondern einfach nur hastig. Der Film ist übrigens auch in der deutschen Fassung komplett ungeschnitten. Es soll zwar noch gerüchteweise eine längere und härtere Fassung geben, diese hat jedoch bisher nicht das Licht der Welt erblicken dürfen.

Lobenswert erwähnen muss ich noch die Musik. Schon in seinen früheren Filmen hat Rob Zombie immer wieder tolle Lieder untergebracht, was bei 31 nicht anders ist. Der Mann hat einfach ein Gespür dafür, welches Lied an welcher Stelle ganz genau sitzt. Perfekt, bitte weiter so.

31 passt wunderprächtig in die Filmografie von Rob Zombie. Die Charaktere sind vollkommen überzogen, passen aber in die Welt, die erschaffen wurde. Die Sets sehen toll aus, die Musik ist fantastisch und die Schauspieler sind gut bis genial, sofern man ihr Umfeld bedenkt. In diesem Film greift einfach alles stimmig ineinander über. Wenn man drauf steht, gibt es außer der hektischen Kamera nichts großartig zu meckern. Das allerdings quasi keinerlei Geschichte erzählt wird, dürfte einige Leute sauer aufstoßen, mich hat es aber nicht großartig gestört. Nicht Zombies bester Streifen, aber ohne Frage ein unterhaltsamer Thriller mit einem wahrhaft verrückten Richard Brake, der zwar mehrfach “I’m not crazy. I’m in control” brüllt, aber so ganz kann ich ihm das nicht abkaufen. medieneffekt-punkte-acht

 

Verfasse einen Kommentar:

*

Folgende HTML tags und Attribute kannst du verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>