DOOM Review (carsten)

Doom 2

Doom ist Kult, daran gibt es keine Zweifel. Der erste Teil revolutionierte in den frühen Neunzigern mit seiner schnellen 3D-Grafik das Ego-Shooter-Genre und prägte die Welt der Videospiele nachhaltig. Jeder Zocker kennt dass Höllenspektakel oder hat zumindest davon gehört. 2004 erschien mit Doom 3 der bis dato letzte Hauptteil der Reihe und stieß wegen seiner starken Fokussierung auf Grusel und Horror auf wenig Gegenliebe. Die Fans waren harte Action gegen üble Dämonen gewöhnt, keine  Jump-Scares und schlecht ausgeleuchtete Gänge. 23 Jahre nach Geburt der Reihe steht nun ein neuer Teil in den Läden, hört schlicht auf den Namen Doom und will alles besser machen. Und so viel sei gesagt: Ich hatte einen höllischen Spaß mit der Singleplayer-Kampagne.

Verdammt, ist das schnell! Dieser Gedanke schoss mir sofort durch den Kopf, als ich das erste Mal die Kontrolle über meinen Space-Marine übernommen habe. Doom geht direkt in die Vollen. Man wacht in der Ego-Perspektive in einem engen Raum auf dem Mars auf und muss sich sofort einiger ekliger, humanoider Dämonen erwehren. Die Spielgeschwindigkeit ist für heutige Verhältnisse so hoch, dass ich die ersten Schüsse direkt versemmelte und immer wieder am Gegner vorbei geballert habe. Call of Duty auf Speed quasi. Schon nach wenigen Minuten hatte ich mich aber daran gewöhnt und konnte es kaum erwarten auf die nächsten Monster zu treffen.

Die Story ist denkbar einfach und bei einem Spiel, welches so klassisch sein will auch passend. Wissenschaftler haben auf dem Mars versucht die Energie der Hölle für sich zu nutzen. Das musste natürlich schief gehen und so strömen unzählige dämonische Wesen auf den roten Planeten und dezimieren dort die Belegschaft. Ihr startet hier als namenloser Soldat und habt eine klare Aufgabe: Tötet alle Monster, die übrigens ganz wunderbar abwechslungsreich und schön fies aussehen, und schließt das Tor zur Unterwelt. Die Geschichte ist ohne Frage der größte Schwachpunkt des Spiels. Die Entwickler von ID Software haben nur sehr spärlich andere Charaktere eingebaut, welche Euch hin und wieder über Funk Infos zukommen lassen oder Euch sagen, wohin Ihr als nächstes gehen müsst. Viel mehr kommt da nicht. Das ist ob der Nonstop-Action nachvollziehbar, man wollte eben ganz bewusst einfach bleiben und den Fokus auf das Gameplay legen. Die Story will dem Spiel nicht im Weg stehen, wirkt dadurch jedoch leider zu belanglos. Ein vernünftiger, diabolischer Antagonist aus der Hölle hätte hier bereits Wunder gewirkt.

Die Schauplätze hingegen sind teilweise atemberaubend schön designt. Anfangs seid Ihr noch auf dem Mars in der Forschungseinrichtung und auf der Planetenoberfläche unterwegs, was schon klasse aussieht, aber sobald Ihr einen Ausflug in die Hölle unternehmt, wird es richtig atmosphärisch. Überall gibt es Flammen, Schädel, Ketten und unwirkliche Bauwerke. Eine unglaublich bedrohliche Kulisse. Der Level-Aufbau erinnert sehr an die alten Doom-Teile. Es gibt mehrere Ebenen, verschlossene Türen, die mit blauen oder gelben Chipkarten geöffnet werden wollen und jede Menge versteckter Extras. Dazu sind die Schauplätze teilweise extrem verwinkelt, somit muss man wie in den alten Zeiten viel erforschen und erkunden. Als Belohnungen für eifrige Forscher winken Verstärkungen für die Rüstung, Bonus-Energie oder Waffen-Modifikationen. Letztere stellen das Salz in der blutigen Doom-Suppe dar. Die sowieso schon spaßigen Knarren wie die Gatling-Gun oder die Super-Schrotflinte bekommen so zusätzliche Feuermodi, Zielfernrohre oder einen kleinen Raketenwerfer aufgesetzt. Die unterschiedlichen Schießeisen zu testen macht enorm viel Spaß und hält einige Überraschungen bereit. Hier haben die Entwickler genau an der richtigen Stelle die Moderne in Doom einfließen lassen. Natürlich gibt es auch ein Widersehen mit der BFG und der Kettensäge. Alle Waffen haben ein ordentliches Trefferfeedback, steuern sich unterschiedlich und brauchen sich nicht hinter der Konkurrenz zu verstecken. Im Gegenteil, die Knarren in Doom unterhalten über die komplette Länge der acht bis zehnstündigen Kampagne.

Ganz ernst nimmt sich Doom zum Glück nicht. Überall sind kleine Gags oder Anspielungen versteckt. Ich rate Euch dringend, Euren Helden mal im Eis oder in Lava sterben zu lassen. Actionfilm-Fans der Neunziger dürfte bei dem, was sich die Jungs von ID Software hier einfallen lassen haben sicher das Herz aufgehen.

Als neues Gameplay-Element gibt es die sogenannten Glory-Kills. Sobald ein Gegner weit genug angeschlagen ist, leuchtet er und man kann einen verheerenden Finishing-Move ansetzen, in welchem dem Feind äußerst brutal der Rest gegeben wird. Da reißt man Dämonen den Arm aus, bricht ihnen das Genick oder stopft ihnen die Gedärme in den Mund. Das hört sich jetzt zunächst unglaublich brutal an, wirkt jedoch bei der hohen Geschwindigkeit nicht ganz so heftig wie erwartet. Für Kinder ist Doom aber natürlich trotzdem nichts. Die Glory-Kills haben aber nicht nur optischen Wert, sie sorgen auch dafür, dass Euer zerfetztes Gegenüber Lebensenergie und später sogar Rüstungsenenergie oder Munition fallen lässt. Denn beim neuen Doom gibt es, anders als in heutigen Shootern üblich, keine automatische Heil-Funktion, bei welcher Ihr nur in Deckung verweilen müsst, damit sich Eure Energie regeneriert. Lebensenergie muss aufgesammelt werden. Ganz klassisch eben. Die Glory-Kills könnten für Fans einen Bruch im sonst sehr straighten Ego-Shooter-Gameplay darstellen, für mich persönlich haben sie das Spielgefühl jedoch bereichert und bewegten mich immer wieder dazu, mitten in die feindlichen Reihen zu springen und dort für Unruhe zu sorgen. Zum Ende des Spiels hin wurden die Gegnermassen allerdings etwas heftig, wodurch alles ein wenig zu hektisch für meinen Geschmack wurde.

Technisch gibt es an Doom wenig auszusetzen. Ich habe die Xbox One-Version getestet und dort sah alles wirklich hübsch aus, allem voran das Monsterdesign und die Höllenareale haben mir gefallen. Doom läuft konstant flüssig, selbst in den großen Gebieten oder bei extremem Gegneraufkommen habe ich keinerlei Ruckler oder Tearing erkennen können. Die Musik passt ebenfalls super. Rockige, völlig überdrehte Tracks treiben Euch bei den Gefechten voran und in der Hölle gibt es herrlich kitschige Orchester-Sounds, die an alte Clive Barker-Filme erinnern.

Doom war eines meiner Most-Wanted-Games in diesem Jahr. Dass es aber so gut wird, habe ich nicht erwartet. ID Software kombiniert alte Tugenden wie kompromisslose Action, überzogene Gewalt und tolles Leveldesign mit einer modernen Präsentation und spaßigen Waffen. Selten hat die Verschmelzung aus Tradition und Moderne so gut in einem Videospiel funktioniert. Die Story hinkt zwar ein wenig hinterher, das stört aber eigentlich nicht, denn Doom setzt klar auf das schnelle, toll spielbare und fetzige Gameplay. Verdammt blutig, sehr atmosphärisch und schon jetzt ein klarer Kandidat für meine Top-Liste zum Abschluss des Jahres. Dafür gibt es von mir eine klare

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