GAMESCOM 2016 (carsten)

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Okay, sein wir doch mal ehrlich: es gibt zig Gründe, die gegen einen Besuch der Gamescom sprechen. Da wäre zum Beispiel das Problem der Anreise. Entweder quetscht man sich in einen überfüllten Zug oder man kämpft sich irgendwie durch den höllischen Verkehr Kölns, der mich mit wirrer Straßenführung und nervigen Staus jedes Jahr zur Weißglut bringt. Hat man das geschafft darf man einige Stunden durch volle Hallen latschen, bekommt die Ohren vollgedröhnt und kann im besten Fall eine Handvoll Spiele antesten, sofern man die teilweise elend langen Warteschlangen übersteht. Dann kauft man sich zum Mittagessen eine lauwarme Currywurst mit Pommes für knapp acht Euro und eine Cola, die etwa die selbe Temperatur hat. Aber es gab eben auch jede Menge coolen Stuff zu sehen und zu erleben. Etwa das Comeback-Konzert von Rockstah, stylische Messestände oder ein schräges Treffen mit Deadpool neben dem Klo. Also, los geht’s!

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Kurz nachdem wir (wie immer war meine bessere Hälfte Rebecca mit dabei und hat die ganzen Fotos geschossen. Danke dafür!) das Messegelände erreicht hatten kam es zu einem wunderbaren Aufeinandertreffen zweier Kämpfer für das Recht. Der eine war natürlich ich, der andere kein geringerer als Superheld Deadpool. Gut, vielleicht war es auch nur ein Cosplayer, aber das lässt sich ja jetzt nicht mehr überprüfen. Jedenfalls stand ich neben den Toiletten gelangweilt an eine Wand gelehnt und wartete auf meine Begleiterin. Durch die Menschenmassen kam der rot gekleidete Deadpool an mir vorbei, blieb stehen, musterte mich von Kopf bis Fuß, stellte sich anschließend neben mich und, nun ja, stand da genau so wie ich. Ein Bein angewinkelt starrte er wie ich einfach in der Gegend umher. Nach kurzer Zeit stieß er mich mit seinem Ellenbogen an und kam quasi nebenbei mit mir ins Gespräch. Ich sprach ihn auf seine Waffenlosigkeit an, da durch verschärfte Sicherheitsbestimmungen keine Knarren oder ähnliches mehr auf dem Gelände erlaubt sind. Er fühlte sich deshalb wie eine Jungfrau, sagte er. Nach weiterem Smalltalk bekam ich noch einen Stoß mit dem Ellenbogen und er ging wieder seines Weges. Herrlich. Ich hatte bei dieser Begegnung mehr Spaß als beim gesamten Deadpool-Kinofilm. Leider gibt es hiervon keinerlei Fotos, aber das hätte nur den Moment zerstört.

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Kommen wir zum eigentlichen Thema der Gamescom: Videospiele! In diesem Jahr konnte ich mit Titanfall 2 eines der Spiele ausprobieren, auf das ich mich am meisten freue. Die Wartezeit am Sony-Stand war erstaunlich kurz, ich musste grade mal 20 Minuten anstehen. Gespielt wurde sechs gegen sechs in Amped Hardpoint, einem Modus, in dem man Bereiche auf der Karte erobern muss, um Punkte für sein Team zu bekommen. Meinen Piloten hatte ich zu Beginn nicht so wirklich unter Kontrolle, obwohl ich den Vorgänger ausgiebig gespielt hatte. Wallruns, Doppelsprünge, dazu noch zielen, ballern und Gebiete einnehmen, das war in den ersten zwei Minuten zu viel. Dann war ich aber warm und flog quasi über die Map, auch wegen des neuen Greifhakens. Nach circa acht Minuten kam dann mein erster Gänsehautmoment. Ich hatte endlich genug Gegner beseitigt, um meinen Titan, einen großen Kampfroboter, auf’s Feld zu rufen. Blöderweise habe ich diesen in der Hektik hinter einem gegnerischen Titan absetzen lassen. Also musste ich mir das flotte Movement meines Piloten zu Nutzen machen. Ich rannte aus meiner Deckung, rutschte zwischen den Beinen des stählernen Feindes durch und sprang gefühlt in Zeitlupe in das Cockpit meines Titans. Bummmmm, jetzt konnte es richtig losgehen! Ich fetzte den angeschlagenen Gegner weg und stampfte stolz wie Bolle übers Schlachtfeld. Nun fiel mir die Kernenergie, eine Neuerung von Titanfall 2, auf. Unten links füllte sich durch Abschüsse eine Leiste. Sobald diese voll war konnte man die mächtige Spezialattacke seines Titans aktivieren. In meinem Fall war das ein fetter Laserstrahl, der aus der eigenen Brust gefeuert wurde, sich aus mehreren kleinen Strahlen zusammensetzte und einige Sekunden lang anhielt. Eigentlich genau so wie beim Todesstern. Blöd nur, dass ich den aktivierte, als kein Titan in meiner Schusslinie stand. Ich wusste ja vorher nicht, was passiert, wenn ich die Kernenergie anschalte! Aber ganz umsonst sollte der Einsatz meines Superlasers nicht sein. Ein feindlicher Pilot sprang durchs Bild, hüpfte von Dach zu Dach und…naja… den hat’s voll erwischt. Also so richtig. Kanonen auf Spatzen, ich weiß, aber es war trotzdem genial. Titanfall 2 wird ein Release-Kauf, daran besteht kein Zweifel mehr.

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Das nächste Game hat mich leider nicht so sehr begeistert. Dragonball Xenoverse 2 wollte angezockt werden. Als gigantischer Fan des Universums rund um Son Goku und die Drachenkugeln spiele ich fast jedes Dragonball-Spiel, welches mir in die Finger kommt. Leider ist die Qualität der Titel eigentlich immer nur Mittelmaß. Der Vorgänger von Xenoverse 2 hatte einige nette Ansätze zu bieten. Am coolsten fand ich die Idee, durch Zeitreisen die schon seit Jahren bekannte Storyline aufzubrechen und diese für alte Fans überraschend zu gestalten. Davon bekam man auf der Gamescom aber nicht viel mit, da an den Ständen lediglich das Kampfsystem gezeigt wurde. Man konnte eine Runde eins gegen eins zocken und ganz ehrlich, ich habe KEINEN Unterschied zum Vorgänger erkennen können. Also wirklich nix, nada, null. Man fliegt halt durch die Arena, prügelt auf seinen Gegner ein, ballert mit Superangriffen um sich usw. Es hat zwar, wie Teil 1, Bock gemacht, aber ich gehe nicht davon aus, dass Xenoverse 2 zum Release in meine Sammlung wandert.

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Jetzt stand ein bisschen Schlendern auf dem Programm. Die verschiedenen Stände der Gamescom waren teilweise wirklich schick gestaltet und verdienen es ohne Frage, einfach mal wahrgenommen zu werden. Microsoft setzte mit Rare’s Piraten-Abenteuer Sea of Thieves, Gears of War 4, Forza Horizon 3 und natürlich Halo Wars 2 sehr stark auf potentielle Exklusiv-Kracher, bei Ubisoft durfte man mit meinem Buddy Cartman beziehungsweise dem Coon posieren und Sony prahlte mit dicken Horizon: Zero Dawn-Plakaten und natürlich mit Playstation VR.

Der Stand von Mafia III fiel uns besonders positiv auf. Dieser war nämlich wie ein altes Kino aufgebaut, inklusive angrenzender Häuser in bester 60er Jahre-Tradition. Ich habe mich jedenfalls direkt an Knallerfilme wie L.A. Confidential erinnert. Zu meinem Glück fehlte mir eigentlich nur noch eine Kim Basinger-Cosplayerin.

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Wo wir grad beim Thema Cosplay sind: zumindest am Donnerstag liefen uns kaum Leute mit richtig coolen Kostümen über den Weg. Ich habe ja schon im letzten Jahr ein wenig darüber gemoppert, dass die Qualität der Verkleidungen meiner Meinung nach teilweise zu wünschen übrig lässt. Das wurde in diesem Jahr sogar noch schlimmer. Zunächst einmal war quasi jede zweite weibliche Besucherin als Harley Quinn kostümiert. Es war wirklich massiv, gefühlt habe ich um die 30 Interpretationen des verrückten Comicstars gesehen. Dann gab es natürlich noch unzählige Pokémon zu sehen, wobei jemand mit einer gelben Hose, einem gelben Shirt, Nike-Turnschuhen und billigen Plastikohren bei mir den Titel Cosplayer kaum verdient. Für mich ist das eine kleine Kunstform von Menschen, die teilweise monatelang an Kleinigkeiten basteln, um ein tolles Kostüm zu erstellen. Die Gamescom bot in diesem Jahr aber leider sehr viel Halbherzigkeit. Uns ist zumindest kein wirklich cooler Cosplayer aufgefallen. Bis auf Deadpool natürlich, wobei da eher die Situation witzig war, nicht die Verkleidung.

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Um 18:00 Uhr am Donnerstag kam es dann doch nochmal dazu, dass ich richtig euphorisch wurde. Max Nicolas Nachtsheim, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Rockstah, gab nach langer Musik-Abstinenz ein Konzert auf der Xbox-Bühne. In den letzten Jahren hat er sich eher durch verschiedene Podcasts wie Radio Nukular oder Rumble Pack einen Namen gemacht, seine Rapper-Karriere erfuhr eine Pause. Das war für mich besonders hart, da ich ihn als Musiker erst vor knapp anderthalb Jahren entdeckte. Sein zweites Werk, Pubertät, zählt für mich seitdem zu den wichtigsten Alben überhaupt. Dann kam kurz vor der Gamescom über Twitter die Nachricht, dass es echt ein Rockstah-Konzert auf der Messe geben soll. Und wie der gute Herr Nachtsheim da abgeliefert hat, meine Güte. Nicht nur, dass er fast eine volle Stunde auf der Bühne gerockt hat und einige meiner liebsten Songs zum Besten gab (Nur LOL hat mir gefehlt), gleichzeitig gab er quasi nebenbei sein Comeback bekannt und kündigte ein neues Album an. Unterstützt wurde Rockstah übrigens von DJ und Radiomoderatorin Larissa Rieß, die blendend aufgelegt hat und Chris Nanoo, seines Zeichens Rapper und Podcaster, der nach Leibeskräften das Mikrofon bearbeitete. Neben meinem Einstieg in den Titan war das klar mein größter Gänsehaut-Moment an diesem Tag. Nerdrevolution 2 wird also definitiv kommen und ich kann es kaum erwarten, diese CD in meinen Händen zu halten.

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Schön war’s, Gamescom. Trotz üblem Essen, langen Staus, wenig Gametime und mauen Cosplayern bereue ich die Fahrt nach Köln nicht. Immerhin durfte ich das Comeback eines meiner Lieblingsmusiker hautnah miterleben, habe ‘n Ellenbogen von Deadpool in die Seite geknallt bekommen, zockte Titanfall 2 und außerdem glaube ich, dass ich so langsam beim Parkleitsystem der Kölner Innenstadt durchblicke. Das ist doch auch was!

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