IRE: Plattenkritik zum neuen PARKWAY DRIVE Album (max)

Parkway-Drive-Cover

Fünf braun gebrannte, australische Surferboys, die sich seit Jahren den Hintern auf dem kompletten Globus abspielen und jedes Konzert zu einer fetten Party machen. Wäre ich eine alte Großmutter, würde ich den Jungs in die Wangen kneifen, so fürchterlich nett sehen sie aus und auch die musikalische Mischung aus Hardcore und Metal, die zwar hart und wütend (passenderweise bedeutet Ire übersetzt Zorn/Ärger/Wut) daherkommt, ist immer mit der gewissen Helligkeit und positiven Power versehen.
Jetzt steht das neue Parkway Drive Album IRE seit Freitag in den Regalen und ich war sehr gespannt, ob es mir das anstehende Konzert im Januar, das so oder so eine kolossale Party wird, noch versüßen kann.
Daneben, dass ich die Jungs ultimativ sympathisch finde und ihre Art ihr Ding durch zu ziehen absolut feiere, mag ich alle Alben der Band. Die Musik macht Spaß, ist zwar selten besonders innovativ, doch immer mit dem typischen Parkway-Charakter ausgestattet. So wie sie klingt eigentlich niemand. Deep Blue von 2010 brachte etwas frischen Wind in die Musik, gerade durch die eher untypische Produktion von Bad Religion Kopf Brett Gurewitz und es ist bis heute das von mir am meisten gehörte Album der Band. Der Nachfolger Atlas (2012) ging dann etwas an mir vorbei, ein paar gute Songs waren vorhanden, aber insgesamt sickerte das Gefühl durch, man habe doch einfach alles gehört, was die Band zu sagen hat.
Ob IRE dem Stagnationsgedanken entgegenwirken kann oder ob sich alles in unterhaltsamen, aber etwas eingefahrenen Schienen weiterbewegt, wird nun im ausführlichen Track-by-Track-Review geklärt und wie schon bei der Kritik zu Abysmal, gibt es am Ende ein kleines Fazit meines Freundes Jan, der sich wieder per Skype dazugeschaltet hat.

01 Destroyer
Solider Einstieg und eine typische Parkway-Melodie führt in das Album ein. Grooved hart, macht Spaß, als Opener aber doch vielleicht ein bisschen zu blass. Am Ende schubst einen die Lead-Gitarre dann direkt vor die Konzertbühne und das geniale Live-Feeling, für das die Band berühmt ist, macht sich breit. Mit dem Gefühl kann es weiter gehen.

02 Dying to Believe
Fette Dampfwalze. Schön knackig. Sänger Winston klingt frisch und brutal, variiert wunderbar in Ryhtmus und Lautstärke und der Sound von IRE etabliert sich als äußerst homogen. Hier klingt alles wie aus einem Guß.

03 Vice Grip
Einer der stärksten Tracks der Band überhaupt, der alles vereint, was ich an ihnen liebe. Große Ohrwurm-Melodien, harter Groove und ein enormer Mitgröhlfaktor, man fühlt sich direkt in die Massen versetzt. Den Text könnte man als arg platt bezeichnen, für mich passt er auf den Punkt. Nur weil man eine Phrase schon tausend Mal gehört hat, heißt es nicht, dass niemand es schaffen kann sie geil zu verpacken. “Get up, get up. One life, one shot, give it all you got!” Mehr braucht es manchmal einfach nicht!!!

04 Crushed
Nach Vice Grip die zweite Single und die Vergleiche mit Rage Against The Machine und Limp Bizkit, die im Internet kursieren, sind absolut bescheuert. Der Song klingt 100% nach Parkway Drive, mit einigen neuen Ideen und Winston schwankt richtig gut zwischen seinem typischen Gebrüll, klarer Stimme und den Rap-artigen Attacken, die aber auch schon immer Teil ihres Sounds gewesen sind. Für mich ein fetter Nackenbrecher, der live alles abreißen wird.

05 Fractures
Die Gitarren zu Beginn haben mich erstmal ordentlich irritiert und die Assoziationen deuteten Richtung Mittelalter. Auf einmal passt dann sogar der Text dazu: “The Bloodwoods shiver in the glare of summers haze, dust of ancient lands breathes beneath our feet.” Stagnation? Von wegen! Die Jungs wirken inspiriert und lassen viele neue Einflüsse zu, ohne jedoch irgendwie ihren Charakter zu verlieren. Jeff Lings Lead-Gitarre, die auf diesem Album absolut heraussticht, führt durch den gesamten Song, vorbei an Mitsing-Chören und sogar traditionellen Percussions, bis ich am Ende nur noch die Fäuste nach oben reißen und Luftschlagzeug spielen konnte. Gänsehaut Nummer.

06 Writings on the Wall
Streicher Intro und dann geht es weiter im Stil von We Will Rock You. HIER könnte ich verstehen, wenn jemand sagt, dass wäre nicht mehr seins. Kaum Geschrei, Winston spricht eher durchgehend im Flüsterton, steigert sich immer weiter hinein. Streicher und Klavier untermalen den gesamten Song. Das erste richtige Experiment aus dem Hause Parkway und mit den Zutaten hätte es ordentlich schief gehen können. Tut es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Die Identität wird trotz des neuen Songwritings komplett beibehalten. So hat man die Band noch nie gehört und bis jetzt die größte Überraschung. Großartig.

07 Bottom Feeder
Oh mann ist die Produktion fett. Der Sound hat sich endgültig Richtung Live-Erfahrung etabliert und eines der größten Komplimente, das ich der Band und dem Album jetzt schon machen kann: Ich schaffe es einfach keine Sekunde stillzusitzen. Fett, fett, fett und am Ende fühlt man sich direkt als Zuhörer angesprochen: “You can`t escape, now snap your neck to this“. Der Nacken brennt bereits.

08 The Sound of Violence
Wirkt wie ein kleiner Kompromiss und als Entschuldigung für die Experimente. The Sound of Violence klingt wie Parkway Drive vor Jahren und ist dadurch der größte Negativpunkt an IRE. Der Song stört den Fluß und steht der neuen Entwicklung komplett im Weg. Einzeln solide, im Verlauf des Albums ärgerlich.

09 Vicious
Wenn The Sound of Violence die alten PWD repräsentiert, dann steht Vicious für das neue Songwriting der Band. Winston ist facettenreicher denn je und an einigen Stellen schleicht sich sogar Melodie in die Stimme. Insgesamt traut sich die Band viel mehr. Das Intro klingt nach Old-School-Rock-Picking und trotz der immer noch vordergründigen Verspieltheit, wirkt alles reifer und auf den Punkt gezockt. Der Stellvertreter des neuen Sounds und ein geniales Highlight. (Mirco! Dein Anspieltipp!)

10 Dedicated
Wer sagt der neue Sound könne nicht ballern, dem gehören die Gehörgänge mit australischem Meerwasser geflutet. Sehr hardcorelastig, viel viel Power und ein breites Grinsen macht sich breit wenn die Crew schreit “Through blood, sweat, tears, we`re still here. Unbreakable.PWD haben sich ihren Platz im Musikkosmos hart erarbeitet und man gönnt es ihnen auf ganzer Ebene, vor allem wenn sie plötzlich alle Kritiker Lügen strafen und so ein frisches Album raushauen.

11 A Deathless Song
Und wieder Gänsehaut. Die Akustik-Gitarre wird ausgepackt und eine Powerballade auf Parkway-Art beendet IRE im großen Stil. Hier wird dick aufgefahren. A Deathless Song schreit nach den ganz großen Bühnen, anstelle eines Crew-Shouts gibt es cleanen Crew-Gesang und auch wenn produktionstechnisch etwas nachgeholfen wurde, ist der Refrain doch der melodischste den Winston bis jetzt abgeliefert hat. Krönender Abschluss eines Albums, das ich so nicht erwartet habe.

FAZIT (max)
Ein schlechtes Album habe ich auf keinen Fall erwartet. Ich dachte eher, dass sich IRE relativ unspektakulär in die Diskographie einreihen wird. Jetzt hauen sie mir das definitiv reifste, abwechslungsreichste und…ja, ich sage es, BESTE Album ihrer Karriere um die Ohren und ich komme gar nicht mehr davon los. IRE läuft seit Freitag nonstop, ich entdecke immer wieder neue Spielereien im Sound und Übersättigung ist noch lange nicht drin. Die Platte wirkt trotz Ideenreichtum frei von überschüssigem Ballast, fängt dazu den Live-Charakter der Band ultimativ gut ein.
Die Überraschung des Jahres. Parkway Drive hauen nicht wie erwartet ein gutes Album raus, sie marschieren mit riesigen Schritten in Richtung Platte des Jahres, der Platz, der eigentlich für Black Dahlia oder Deafheaven reserviert schien. “Through blood, sweat, tears, we`re still here. Unbreakable.” Stimmt!

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FAZIT (jan)
Parkway Drive sind wieder ein Beispiel für den großen Musik-Einfluss, den Max auf mich hat. Den ersten Kontakt mit der Band hatten wir beide auf ‘nem Konzert von Raised Fist in Köln 2006, wo sie noch im Vorprogramm mit dabei waren und darauf folgte ein unglaubliches Konzert auf dem Hurricane 2011. Das Album Atlas ist dann ziemlich an mir vorbeigegangen und ich hatte Angst, dass IRE dasselbe Schicksal ereilt. Diese Bedenken waren allerdings unbegründet. IRE ist ein wirklich rundes Album mit dem bekannten Parkway-Sound, gespickt mit neuen hellen Melodien und Gesangsexperimenten wie Sprechgesang und Chören in den Refrains. Einzig das Lied The Sound of Violence passt für mich nicht in die Zusammenstellung und hätte einen besseren Platz auf ‘ner Bonus CD oder am Anfang von IRE gefunden, da es wenige neue Einflüsse besitzt. Insgesamt ein super Album, das auf jeden Fall einen Platz im nächsten Snowboard Mixtape finden wird.
Für mich hat die Band mit IRE eine gute Weiterentwicklung vollzogen, ich freue mich auf das nächste Konzert und darauf, wenn ich aus dem Skilift steige und das Album startet.

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1 Kommentar zu IRE: Plattenkritik zum neuen PARKWAY DRIVE Album (max)

  • Liz  sagt:

    Auf den Review hab ich schon gewartet! ;) Das Album hat mich absolut überrascht. Hab’s auch schon 3x durchgehört. Es ist zu gut. Hätte nicht gedacht, dass PWD mich nochmal so richtig packen. Sie waren ja immer gut, aber so ein Knaller?! Alter! :D Echt die Überraschung des Jahres. Jetzt freu ich mich umso mehr auf das Konzert.

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