MACKLEMORE & RYAN LEWIS – THIS UNRULY MESS I`VE MADE Review (max)

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Steil ist gar kein Ausdruck für die Karriere von Macklemore & Ryan Lewis. Das Duo schmiss 2012 ihr erstes Album The Heist auf den Markt und auf einmal konnte sich niemand mehr vor ihnen retten. Can`t Hold Us, Thrift Shop, Same Love. Hit nach Hit nach Hit. Dazu kamen legendäre Live Auftritte und die kleinen Bühnen reichten schon bald nicht mehr aus. Neben der ganzen Party machten sich die beiden aber auch einen Namen durch ihre DIY-Attitüde und das Aufgreifen schwierigerer Themen wie beispielsweise in Same Love, dem wunderbaren Plädoyer für die Rechte homosexueller Paare.
Irgendwann wurde es allerdings etwas stiller um die beiden und nun, da ihr neues Album This Unruly Mess I`ve Made erschienen ist, weiß man auch wieso. Die Musiker haben sich zurückgezogen, sich die Zeit genommen, die sie brauchten. Ben Haggerty a.k.a. Macklemore hat geheiratet und ist Vater geworden und nachdem sie wieder neue Energie getankt haben, ging es an die Aufnahmen zum Nachfolger des Überhits The Heist.

Von außen betrachtet ist This Unruly Mess I`ve Made nicht besonders vielsagend. Roter Hintergrund, goldene Schrift. Ein kleines Poster liegt bei, auf dem noch einmal die Tracklist abgebildet und auf der Rückseite eine abstrakte Schwarz/Weiß-Zeichnung zu sehen ist. Das Booklet allein ist allerdings den Kauf der Platte wert. Auf 34 Seiten gibt es eine großartige Fotostrecke, die sich aus professionellen und privaten Fotografien zusammensetzt und einen genialen Einblick in die Aufnahmen liefert. Teilweise super stylish, an manchen stellen sehr privat und intim, ein Foto zeigt Ben und seine Frau während der Wassergeburt. Wirklich schick aufgemacht und ein schöner Kontrast zum dezenten Äußeren.

01 Light Tunnels (feat. Mike Slap)
Epischer Chor, orchestrale Untermalung, Macklemore rappt sich abwechslungsreich durch filmreife Sequenzen bis der Refrain alles zusammenfügt. Die Problematik, die This Unruly Mess I`ve Made direkt aus der Welt schaffen musste, war die Abgrenzung zu The Heist, denn wie folgt man einem derart gefeierten Hit Album?! Macklemore & Ryan Lewis lösen diese Schwierigkeit meisterlich. Musikalisch schön mehrschichtig, weit entfernt von stumpfer Beat-Arbeit und textlich wird das Problem einfach beim Namen genannt. Es geht um genau diesen Erfolg, die plötzliche Aufmerksamkeit und den Schein der Pop-Welt, alles verpackt in einem fiktiven Award-Szenario. Der perfekte Opener.

02 Downtown (feat. Eric Nally, Melle Mel, Kool Moe Dee & Grandmaster Caz)
ENDLICH! Downtown befindet sich nun offiziell auf meinem iPod. Seit der Veröffentlichung des Videos warte ich darauf. Ultimativer Gute Laune-Track, das beste Musikvideo 2015 und der wunderbarste Refrain überhaupt. Ich konnte erst gar nicht glauben, dass der wirklich von Eric Nally, dem durchgeknallten Schnurrbartträger, gesungen wird. “She has her arms around your waist. With a balance that could keep us safe.” Liebe auf den ersten Ton.

03 Brad Pitt’s Cousin (feat. XP)
Hattrick! Der dritte Hit hintereinander. Abgefahrener Beat, noch abgefahrenere Lyrics. “My dick named Ron Burgundy. I’m bad news with a pan flute.” Innovativ, verdammt witzig und ordentlich tanzbar. Würde mich nicht wundern, wenn Brad Pitt’s Cousin die nächste Single wird.

04 Buckshot (feat. KRS-One & DJ Premier)
Old Schoooool! KRS-One und DJ Premier sind ja auch am Start. Und wer spielt sich schon wieder in den Vordergrund? Der Beat! Ryan Lewis zeigt auf This Unruly Mess I`ve Made wie nie zuvor, dass er mehr ist als Ben Haggertys Schatten. Eingängig, vielschichtig, großartig!

05 Growing Up (feat. Ed Sheeran)
Der Song wurde ebenfalls 2015 veröffentlicht und war das erste Lebenszeichen des Duos nach The Heist. Das tat einfach unglaublich gut wieder etwas von den beiden zu hören. “Als würde ein guter Freund, der oft auf Reisen ist, auf einmal als Spontanbesuch vor der Tür stehen” hatte ich dazu geschrieben und so fühlt es sich jetzt auf Albumlänge auch wieder an. Viel kann bereits nach Track 5 nicht mehr schief gehen, auch wenn sich der Rest der Platte jetzt als Mist herausstellen würde (Spoileralarm: Das tut er nicht!). Growing Up ist eine wunderbare Liebeserklärung an Macklemores Tochter und gerade in seiner Unaufdringlichkeit einer der Höhepunkte der Tracklist.

06 Kevin (feat. Leon Bridges)
Der vielleicht typischste Track auf This Unruly Mess I`ve Made, was aber nicht negativ klingen soll. Die unbeschwerten Drums werden von einer melancholischen Orgel in Zaum gehalten. Der Sound passt sich dem Text an, was zuerst nicht ganz funktionieren mag, ab der Hälfte etwa baut sich jedoch eine außerordentliche Intensität auf. Sehr guter Song über den Missbrauch von Pharmazeutika.

07 St. Ides
Der einzige Song ohne Gastmusiker. Sehr unaufgeregt und fast schon ruhig, trotzdem treibend. Würde gut in einen Film-Soundtrack passen. Schöner Ruhepol in der Mitte der Platte.

08 Need To Know (feat. Chance The Rapper)
Es geht smooth weiter. Ein loungiges Piano, Handclaps, entspannte Raps. Gut, aber jetzt müsste auch wieder mal ein Knaller kommen.

09 Dance Off (feat. Idris Elba & Anderson .Paak)
UND DA IST DER KNALLER! Wer hätte erwartet Idris Elba mal auf einem Party Track zu hören. Der Schauspieler, der in der kommenden Dschungelbuch Verfilmung dem Tiger Shir Khan die Stimme leiht, macht seinen Job mehr als gut, auch wenn er nur den Quasi-Refrain einsprechen musste. DER Party Track. Absolut trashig und sofort hat man Macklemores Alter Ego Sir Raven Bowie vor Augen. Live werden bei Dance Off sicherlich wieder Perücke und Umhang zum Einsatz kommen. Göttlich.

10 Let’s Eat (feat. XP)
Sympathischer kleiner Track über all das köstliche Zeug, das man trotz besseren Wissens gerne mal wegfuttert. “My girl shaped like a bottle of Coke. Me? I’m shaped like a bottle of nope.

11 Bolo Tie (feat. YG)
Der einzige Track, der nach dem ersten Durchlauf nicht direkt gezündet hat. Irgendwie fällt der Zugang schwer, weder textlich noch musikalisch funkt es hier. Schade so kurz vor Schluss, aber vielleicht ist Bolo Tie ja ein Spätzünder.

12 The Train (feat. Carla Morrison)
Right in the Feels! Rührender Song über Abschied und Heimweh, der sich wohl nicht nur zufällig auf das Leben auf Tour beziehen lässt. Den Refrain singt Carla Morrison auf Spanisch und der Sound eines Zuges dient als dezente Beatuntermalung. Wirklich, wirklich gut!

13 White Privilege II (feat. Jamila Woods)
Schwiiiierig, schwierig. Der zweite Teil von White Privilege, der auf Macklemores Solo-Album The Language of My World (2005) erschienen ist, hinterlässt einen zwiegespaltenen Eindruck. Musikalisch zeugt auch dieser Track von einer enormen Weiterentwicklung. Knapp 9 Minuten dauert der Song, was dank der gut durchdachten Spannungskurve nie negativ ins Gewicht fällt. Inhaltlich geht es um Rassenkonflikte und das Privileg der weißen Bevölkerung. Das ist natürlich ein wichtiges Thema, aber leider fühlt sich White Privilege II zu sehr nach Predigt an. Am Ende doch noch einmal ausgerutscht und zu dick aufgetragen. Schade um den Abschluss.

FAZIT
This Unruly Mess I`ve Made startet atemberaubend, haut einen Hit nach dem anderen heraus und man möchte bereits den Thron für die Platte des Jahres frei machen. Nach der Hälfte schleichen sich dann aber doch ein paar kleine Makel ein, vor allem in Form von Bolo Tie und White Privilege II. Die sind natürlich auch weit entfernt davon schlecht zu sein, doch stören sie den Fluss der Platte (Bolo Tie) und passen irgendwie nicht in die thematische Herangehensweise der restlichen Tracks (White Privilege II).
So, das war es dann auch mit den negativen Punkten, denn am Ende ist das zweite Album von Macklemore & Ryan Lewis vor allem eines: Ein Triumph! Die Zeit, die sie sich genommen haben, wurde perfekt genutzt. Stärken wurden ausgebaut, Schwächen dezimiert und den Vergleich zu The Heist brauchen die beiden an keiner Stelle zu fürchten. This Unruly Mess I`ve Made wirkt nicht wie eine Reaktion auf einen Überraschungserfolg, sondern wie die logische Weiterentwicklung dessen. Ein Album, das wunderbar abwechslungsreich daherkommt, zur nächsten Party laufen kann, ebenso wie beim nächsten winterlichen Spaziergang durch den Park. Tracks, die mal aufwühlen, mal zum ausflippen anstiften. Macklemore & Ryan Lewis. Zwei alte Freunde, die auf einmal wieder vor der Tür stehen und es ist, als wären sie nie weg gewesen.

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