QUANTUM BREAK Review (carsten)

Quantum Break

So eine Zeitmaschine wär schon was Feines. Mit ihr hätte ich meinen elend langen Umzug in eine neue Wohnung verkürzen können und wäre beim Medieneffekt deutlich aktiver gewesen. Aber so hat es länger gedauert und die Initialzündung wieder loszulegen gab es dann in Form von Microsofts neuestem Exklusiv-Kracher Quantum Break, der mich ganz zufällig fünf Tage vor Release im Kaufhaus anlächelte. Klarer Fall, dieses Most Wanted landete direkt in meiner Xbox One und ich habe mich durch das Abenteuer gekämpft und bin mehrfach durch die Zeit gereist.

Quantum Break beginnt wenig spektakulär. Entwickler Remedy, bekannt für Titel wie Max Payne und Alan Wake, lässt es ruhig angehen und schickt Hauptprotagonist Jack Joyce (Gespielt von Shawn Ashmore) an eine beschauliche Uni, wo er einen alten Freund besuchen will. Dieser braucht Hilfe bei einem Experiment, welches irgendetwas mit der Zeit zu tun haben soll. Die anfängliche Ruhe währt nicht lange und natürlich geht der Versuch ordentlich schief. Jack, der mitten im Geschehen ist, kann plötzlich die Zeit manipulieren und muss sich durch Unmengen an feindlichen Soldaten kämpfen, die ihm ans Leder wollen. Strippenzieher scheint sein alter Freund Paul Serene und seine mysteriöse Firma Monarch zu sein. Viel mehr sollte man von der Geschichte am besten nicht wissen, denn sie ist ganz klar einer der großen Pluspunkte an Quantum Break.

Vom spielerischen Aufbau her erinnert alles ein wenig an Alan Wake, auch wenn die Gefechte etwas anders ablaufen. Im Kern ist es aber genauso ein von der Geschichte getriebener Third-Person-Shooter und bei weitem kein interaktiver Film. Remedy versteht es, eine gute Geschichte zu erzählen, ohne den Spieler mit Quicktime-Orgien in Beyond: Two Souls-Tradition zu malträtieren.

Die Entwickler setzen sehr stark auf Story und Atmosphäre, außerdem orientiert man sich beim Erzählen der Geschichte am bekannten Serienformat. Das Spiel ist in einzelne Episoden unterteilt. Zwischen den Akten gibt es sogar vier Realfilm-Episoden mit bekannten Schauspielern wie Dominic Monaghan (Der Herr der Ringe, Lost) oder Aidan Gillen (Game of Thrones) zu bestaunen. Diese gehen jeweils knapp über 20 Minuten und sind durchweg hochwertig produziert sowie spannend inszeniert. Sie thematisieren die Handlung der Bösewichte und zeigen so auf interessante Weise, was auf der anderen Seite des Feldes passiert. Das könnte für einige zum Problem werden, schließlich wird der Spielfluss regelmäßig durch ein doch sehr langes Video unterbrochen. Wer sich daran nicht stört, dem präsentiert Remedy eine spannende Geschichte voller cooler Charaktere und einiger nett inszenierter Action. Die Story wird, was heutzutage lange kein Standard mehr ist, sinnig und schlüssig zu Ende geführt, alle Fäden laufen passend zusammen und es ergibt sich ein befriedigendes Gesamtbild.

Leider werden weite Teile der Story durch Schriftstücke vermittelt, die Ihr in den Level finden und lesen könnt. Diese Texte sind teilweise so elend lang, dass mir schnell die Lust am nachforschen vergangen ist. Mitunter dauerte es 10 Minuten, bis ich ein Dokument durchhatte. Eindeutig zu viel und ein klarer Bruch in der sonst sehr dynamischen Inszenierung.

Das Gameplay besteht hauptsächlich aus Schießereien mit den zahlenmäßig deutlich überlegenen Gegnern der bösen Firma Monarch. Abwechslung bringen hier die neu errungenen Fähigkeiten des Protagonisten Jack mit sich. So kann man beispielsweise eine Art Zeitblase auf den Feind werfen, woraufhin sich dieser nur noch deutlich verlangsamt bewegen kann. Oder man teleportiert sich einfach einige Schritte nach vorne, erzeugt ein kugelsicheres Kraftfeld um sich herum oder schmeißt gleich ganze Zeit-Granaten auf das Ziel, welches so in der Luft zerrissen wird. Die verschiedenen Fähigkeiten in Kombination sind erstaunlich vielseitig und machen enorm viel Spaß.

Gelegentlich gibt es auch kleinere Rätsel oder Geschicklichkeitseinlagen, diese sind jedoch nur zur Auflockerung gut. Spielerisch sind sie maximal Mittelmaß und wegen der teilweise hakeligen Steuerung beim Klettern und Springen vernachlässigbar.

Grafik und Sound von Quantum Break sind durchgehend auf sehr hohem Niveau. Allem voran in den Kämpfen lässt Remedy ein Effektfeuerwerk vom Stapel, welches Seinesgleichen sucht. Dazu läuft alles flüssig und ohne größere Fehler. Die deutsche Vertonung ist gut, auf Wunsch kann man aber die gelungenere englische Originaltonspur aktivieren.

Besonders beeindruckend: Immer wieder werden ganze Areale von der Zeit beeinflusst. Dann frieren Level ein und Ihr könnt jedes kleine Detail, wie in der Luft stehende Kugeln oder frei schwebende Glassplitter, bestaunen. Spätestens wenn Ihr dann in einem riesigen Tanker steht, der grade mitten bei seiner Zerstörung eingefroren wurde und zig Container in der Luft stehen bleiben, klappt Euch die Kinnlade runter, versprochen.

Quantum Break ist ein erfrischendes, spaßiges und spannend erzähltes Spiel ohne große Fehler. Keine aufgezwungene Open-World, kein Multiplayermodus, keine halbfertige Handlung oder unendliche Entscheidungsfreiheit, nur ordentliches Gameplay, tolle Charaktere und eine wunderbare Story. Heutzutage sind solche Spiele leider wirklich selten geworden. Am liebsten hätte ich die Fortsetzung schon jetzt in meinen Händen.  Ja, so eine Zeitmaschine wär schon was Feines…
medieneffekt-punkte-acht

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