Review zu ASSASSIN’S CREED SYNDICATE (carsten)

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Was habe ich im letzten Jahr über Assassin’s Creed Unity gemeckert. Das war aber auch mal ganz großer Mist. Zugeknallt mit Bugs, ruckeliger Grafik, einer lahmen Story und miesem Missionsdesign. Dazu gab es noch einige Probleme mit den Charakteren und teilweise kaum spielbare Abschnitte. Daher habe ich bei der Ankündigung des Nachfolgers auch nur müde gegähnt. Die Reihe war endgültig durch für mich. Zum Glück habe ich mich doch umentschieden, denn Assassin’s Creed Syndicate ist zu einer großen, kurzweiligen Überraschung geworden, die Unity in fast allen Belangen übertrifft.

Die Story ist eigentlich schnell erzählt. Die Zwillinge Jacob und Evie Frye sind die Kinder eines mittlerweile verstorbenen Assassinen, der beide in die Kunst des Meuchelns eingewiesen hat. Nun müssen die eher unerfahrenen Killer im London des Jahres 1868 für Ordnung sorgen. Der fiese Templer Crawford Starrik kontrolliert nämlich alles mit eiserner Hand und lässt das Volk ordentlich leiden. Unterstützt werden die beiden, wie auch schon bei den Vorgängern, von einigen Historischen Charakteren. Diesmal trefft Ihr unter Anderem auf Charles Dickens, Alexander Graham Bell, Florence Nightingale und Karl Marx.

Die Geschichte geht einen deutlich lockereren Weg als die Vorgänger. Jacob und Evie sind sympathische Protagonisten, die man schnell ins Herz geschlossen hat und der Bösewicht, Crawford Starrik, ist so herrlich böse, dass man ihn gerne hasst. Dazu wurde die Anzahl der relevanten Charaktere insgesamt reduziert, was die Handlung deutlich angenehmer macht. Ubisoft geht hier genau den richtigen Weg, um Assassin’s Creed wieder in eine nachvollziehbare Richtung zu lenken. Die Tiefgründigkeit und der Wow-Effekt der ersten beiden Teile werden so natürlich nicht erreicht, aber das ist mir deutlich lieber, als der wirre Unsinn aus Unity. Wenn Jacob bei einer wilden Verfolgungsjagd den feuernden Gegnern entgegen brüllt, dass sie ruhig auf seine Schwester schießen können, weil die eh den Kugeln ausweicht, dann macht die Action gleich nochmal so viel Spaß.

Natürlich gibt es auch wieder einen Story-Part, der in der Gegenwart spielt. Dieser ist jedoch dermaßen unwichtig und lahm, dass ich gar nicht mehr drauf eingehen will. Nur so viel: Wozu gibt es dieses Szenario überhaupt noch? Die ersten Teile, mit Desmond Miles in der Hauptrolle, hatten ja noch klasse Ideen und waren ordentlich ausgearbeitet. Aber wenn man sich so wenig Mühe mit diesem Teil der Geschichte gibt wie in Unity oder Syndicate, dann kann man es doch auch gleich sein lassen.

Das Gameplay funktioniert ähnlich wie bei den Vorgängern, wurde aber an den richtigen Stellen angepasst und erneuert. London ist nach dem Prolog frei begehbar und bietet allerlei Aufgaben, die Euch rund 40 Stunden beschäftigen dürften. Wie in den meisten Ubisoft-Spielen gilt es natürlich, in der ganzen Stadt Aussichtspunkte zu erklimmen oder Krempel einzusammeln . Außerdem könnt Ihr Kinder aus der Zwangsarbeit befreien, wichtige Templer-Ziele ausschalten oder gleich ganze Gegnerlager zerstören. Wie Ihr dabei vorgeht, bleibt Euch überlassen. Ihr könnt die Bösewichte aus dem Hinterhalt ausschalten oder versuchen, sie mit Eurer Gang zu überrennen und ihnen mit allerhand Waffen auf die Pelle rücken. Erwartet jedoch keine so immense Vielfalt wie im Schleich-Meisterwerk Metal Gear Solid V. Ganz so viele Gadgets und Möglichkeiten wie Big Boss haben die beiden Assassinen dann doch nicht.

Ihr könnt Euch die meiste Zeit aussuchen, welchen der beiden Zwillinge Ihr steuern wollt. Jacob ist eher der Mann fürs Grobe, wohingegen Evie eine Meisterin in der Kunst des Schleichens ist. Wenn Ihr Euch also lieber prügelt, ist Jacob die bessere Wahl, wohingegen Evie gefragt ist, wenn Ihr unerkannt bleiben wollt. Beide können nach belieben hochgelevelt und ausgerüstet werden, was viel zur Motivation beiträgt.

Die Story-Missionen bieten eine enorme Abwechslung. Mal kämpft Ihr Euch über einen fahrenden Zug, dann schleicht Ihr in einer Irrenanstalt rum und später versucht Ihr, einen Geist in den Straßen Londons dingfest zu machen. Hier kommen wirklich einige kreative und lustige Ideen zum Einsatz, Langeweile ist ein Fremdwort. Durch die enorme Vielfalt und den kurzweiligen Charakter der Missionen stellt sich schnell ein Flow ein, der mich teilweise deutlich länger hat spielen lassen als geplant.

Die Steuerung macht leider traditionell einige Probleme. Das Parcour-System aus den Vorgängern wurde zwar verfeinert, trotzdem gibt es immer wieder nervige Stellen, in denen Eure Figur nicht mal ansatzweise das macht, was sie soll. Da bleibt man gerne mal an Häuserwänden hängen oder springt aus der Deckung direkt vor die Füße der Gegner. Dieses Manko war nicht ganz so ausgeprägt wie in Unity, trotzdem habe ich meinen Fernseher häufiger angebrüllt als ich eigentlich wollte. Die beiden großen neuen Features, ein Greifhaken in bester Batman-Tradition sowie Pferdekutschen, mit denen man schneller durch die Straßen kommt, kranken an ähnlichen Problemen. Bugs gibt es auch einige, jedoch nicht so massiv wie beim Vorgänger. Die Immersion stören sie trotzdem deutlich.

Eine große Überraschung ist die Grafik von Assassin’s Creed Syndicate. Diese ist nämlich merklich schlechter als beim ein Jahr alten Unity. Die Lichteffekte sind weniger brilliant und einige Texturen erinnern sehr an die letzte Konsolengeneration. Das stört jedoch nicht im Geringsten, denn dadurch läuft das Spiel auch deutlich flüssiger als Unity, Ruckler und Tearing sind die absolute Ausnahme. London wirkt insgesamt sehr stimmig und rund, die Charaktere passen gut ins Bild und die Strassen wirken angemessen belebt.

Der Sound ist, serientypisch, gut bis sehr gut, wird jedoch sicher nicht auf alle Ewigkeiten in die Geschichte eingehen. Toll abgemischt ist er aber allemal, Ihr könnt stets genau orten, woher ein Geräusch kam und der Subwoofer bekommt einiges zu tun, ohne zu aufdringlich zu wirken. Die Synchronisation ist gelungen. Motivierte, professionelle deutsche Sprecher hauchen den Figuren Leben ein, was jedoch durch die teilweise fehlende Lippensynchronität getrübt wird. Zusätzlich gab es noch einige Aussetzer beim Sound, die hoffentlich noch rausgepatcht werden.

Zum Glück habe ich mir Assassin’s Creed Syndicate doch gekauft. So einen Flow hatte ich schon lange nicht mehr in einem Spiel erlebt. Innerhalb weniger Tage habe ich, zwischen Beruf und Gesellschaftlichem Leben, tatsächlich fast jede freie Minute in London verbracht. Alles wirkt runder und zu Ende gedacht, nicht so verfrüht auf den Markt geworfen wie der teilweise desaströse Vorgänger. Eine Pause von zwei oder drei Jahren würde der Reihe trotzdem enorm gut tun, denn Fehlerfrei ist auch das neueste Assassinen-Abenteuer bei Weitem nicht.

Mit Syndicate ist die Reihe endgültig beim unterhaltsamen Popcorn-Kino angekommen. Wer damit kein Problem hat, auf Open World steht und mit einer bockigen Steuerung umgehen kann, der sollte zuschlagen. Ich jedenfalls vergebe eine ordentliche

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