SAUSAGE PARTY Review (carsten)

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Man kann wirklich nicht behaupten, dass die Crew rund um James Franco, Jonah Hill und Seth Rogen unsympathisch wäre. Ihre Filme bieten meist gute Unterhaltung und es macht einfach Spaß, den Jungs beim Blödsinnmachen zuzuschauen. Für mich leben die Streifen in erster Linie nicht von ihren Pointen oder einem guten  Drehbuch, sondern eben von den Darstellern, die immer gut gelaunt ans Werk zu gehen scheinen. Diese gibt es im Animationsstreifen Sausage Party natürlich nur zu hören und nicht zu sehen, was einige Probleme offenbart. Dazu ist der Film über weite Strecken so schmerzlicher Standard, dass mir fast das Würstchen aus dem Brötchen geflutscht wäre. Lustiger wird mein Review übrigens nicht mehr, ähnlich wie der Film…

Frank (gesprochen von Seth Rogen) ist ein glückliches Hotdog-Würstchen und verbringt in seiner Verpackung im Supermarkt ein gutes Leben mit seinen Kumpels. Bald, so hofft er, wird er endlich auserwählt und gekauft. Zusammen mit seiner Freundin, dem Hotdog-Brötchen Brenda, kann er es kaum erwarten, im Einkaufswagen eines Kunden zu landen. Dann jedoch wird ein Senfglas umgetauscht und offenbart den anderen Lebensmitteln die schreckliche Wahrheit: Nachdem sie gekauft werden, bereiten die Menschen sie unter Qualen zu und verspeisen sie genüsslich. Frank macht sich auf, diesem Schicksal zu entgehen, seine Freunde zu retten und ordentlich zu knattern.

Sausage Party war der erste Animationsfilm, der in den USA ein R-Rating bekommen hat. Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren dürfen den Film in Amerika also nur in Begleitung eines Erwachsenen sehen. Tja, und genau auf dieser Freigabe beruhen weite Teile des Marketings. Auf der Hülle heißt es „Endlich ein Animationsfilm nicht für die ganze Familie“. Weiter wurde aber anscheinend nicht gedacht. Ja, der Film ist teilweise derbe, was die Sexualität angeht, es wird häufig geflucht und anzügliche Bemerkungen sind an der Tagesordnung. Ansonsten ist er jedoch gänzlich wie ein normaler Animationsstreifen für Kinder aufgebaut. Zunächst ein Liedchen, welches uns die Welt mit ihren Bewohnern vorstellt und eine generell glückliche Ausgangslage. Dann wird das Weltbild des Hautdarstellers erschüttert und er zieht los, um sein Schicksal zu ändern und ein Held zu werden. Sausage Party versucht verzweifelt, sich das Image eines Erwachsenenfilmes aufzubauen. Dabei bietet er aber außer Schimpfwörtern und einer deftigen Orgie nichts, was eine höhere Freigabe rechtfertigen würde.

Das Drehbuch erfüllt sämtliche 08/15-Vorgaben, die ein Animationsstreifen oder generell ein Kinofilm haben muss. Der strahlende Held mit einem Freund, der anders ist als alle anderen, aber trotzdem am Ende Mut beweist und natürlich eine Beziehung zu einer Frau, die im letzten Drittel auf die Probe gestellt wird. Jeder weiß, was passiert: Frank zieht mit seiner Angebeteten los, zofft sich mit ihr und kurz vor Schluss, welch Überraschung, vertragen sie sich wieder. Spoilerwarnungen wären nur sinnig, wenn Sausage Party der erste Film Eures Lebens wär. Natürlich gibt es auch die obligatorische, völlig oberflächliche Sozialkritik, diesmal in Form eines israelischer Bagels (gesprochen von Edward Norton) und eines arabischen Fladenbrotes, die mit der Zeit herausfinden, dass sie doch recht viel gemeinsam haben, schließlich mögen beide Humus. Selbst ein flippiger Song aus den 80ern (Wake Me Up Before You Go-Go von WHAM!), zu dem fresh getanzt wird, ist dabei. Die Kinder findens cool und die Eltern sagen sich “Ach hey, den Song kenne ich ja sogar”. Ein Spaß für die gesamte Familie mit Schimpfwörtern, könnte man sagen.

Aber gut, innovativ muss der Film ja gar nicht unbedingt sein. Ist Sausage Party wenigstens lustig? Leider nicht wirklich. Klar, es gibt immer wieder Szenen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, aber insgesamt fehlen mir einfach die Gesichter von Franco und co., um das Ganze auch wirklich annehmen zu können. This ist the End hatte auch nicht grade die besten Pointen, aber wenn die Darsteller die Witze ordentlich rüberbringen, ist das etwas völlig anderes. Die Stimmen alleine reichen mir einfach nicht aus und auch das mittlerweile übliche Brechen der Vierten Wand entlockte mir nur ein müdes Lächeln. Die Charaktere schwanken ebenfalls. Einige echt coole Kreationen, wie ein an den Rollstuhl gefesseltes Kaugummi oder die Baby-Karotten sind super, insgesamt bietet Sausage Party aber auch in diesem Sektor zu wenig.

Mein Review hört sich allgemein schlimmer an, als der Film eigentlich ist. Sausage Party bietet nette Unterhaltung für zwischendurch, sieht ganz hübsch aus und hält einige Schmunzler parat. Durchaus passende Unterhaltung für Zwischendurch.

Aber darüber hinaus ist der Film erschreckend vorhersehbar aufgebaut und wirkt wie ein beliebiger Animations-Streifen, nur eben mit Fluchen und Geknatter. Sausage Party ist einfach zu belanglos, um jemals wieder den Weg in meinen Blu-Ray-Player zu finden. Ich wollte an dieser Stelle übrigens einen Witz über ein Hotdog-Würstchen, dass seinen Weg in das passende Brötchen findet, bringen, aber wie in der Einleitung erwähnt, wird mein Review nicht mehr witziger, alsooooo…medieneffekt-punkte-sechs

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