SLOW DEATH: Die neue CARNIFEX im Review (max)

Carnifex-TitelbildII

Im letzten News Effekt hatte ich ja noch geschrieben, dass mir bei den Vorab-Tracks irgendwas fehlt. Meine Güte, was rede ich denn manchmal für einen Mumpitz, aber fangen wir vorne an: Wie gesagt, Carnifex habe ich in der damaligen Deathcore-Flut als Trittbrettfahrer und Hype-Band à la Suicide Silence abgetan und erst nach ihrer Pause zu schätzen gelernt. Ein Jahr lang haben die fünf Musiker aus San Diego an ihrem Sound gefeilt und sich ein neues Zuhause bei Nuclear Blast gesucht, um dann 2014 Die Without Hope zu veröffentlichen. Von allein wäre ich auf dieses Album wahrscheinlich nicht gestoßen, aber dafür habe ich ja Mirco. Ein typischer “Ich bring Bier und Musik mit“-Abend, an dem wir uns gegenseitig Empfehlungen um die Ohren hauen. “Ich weiß, ich weiß, du magst die nicht, aber hör dir mal die neue Platte an.” Jap, er hatte recht.

Carnifex-TitelbildIII

Jetzt ist seit ungefähr einer Woche der Nachfolger Slow Death draußen, das erste Album, das ich mir als Vinyl-LP zugelegt habe (mehr dazu auf Facebook) und trotz des etwas seltsamen Gefühls durch die drei Singles hatte ich doch ziemliche Lust mich darauf einzulassen und…nunja…es hat tatsächlich nur Sekunden gedauert. Sobald das klassisch-gruselige Intro in Dark Heart Ceremony durch ist und Scott Lewis unverkennbar brüllt “Leave this world to die on its knees” bin ich drin und komme auch erst wieder heraus, nachdem der letzte Ton verklungen ist. Der Sound ist dermaßen brachial, die Stimme allumfassend heftig, als Opener die perfekte Wahl und der richtige Wegweiser für den Rest des Albums. Slow Death führt Die Without Hope konstant weiter, das “Core” wurde nebenbei mit der Axt zerlegt, dabei klingen Carnifex auch hier wieder erfrischend stumpf, aber dabei nie anspruchslos. Abgefahrenes Geballer, gemischt mit kleinen Melodien, die man nicht mehr los wird, vor allem im Zusammenhang mit Lewis` kitschigen, aber nicht aufgesetzt wirkenden Texten, die für mich auf dem Vorgänger allerdings noch eine Spur raffinierter und diabolischer waren.

Nach Dark Heart Ceremony konnte eigentlich auch nicht mehr viel schief gehen und selbst Drown Me in Blood, Six Feet Closer to Hell und der Titeltrack funktionieren perfekt im Verlauf der Platte, Slow Death hat sich dabei sogar zu einem meiner Favoriten gemausert:

Die Anführer eines neuen Genres, wie der Sänger es im Vorfeld angekündigt hat, werden Carnifex natürlich nicht, dazu bedienen sie sich zu sehr aus der allgemeinen Metal-Kiste. Eingeschlichen haben sich neue Einflüsse allerdings trotzdem und die sind dieses Mal pechschwarz. Black Metal heißt das Zauberwort und die Jungs stehen mittendrin, ohne ihre Trademarks zu verlieren, wie das grandiose Countess of the Crescent Moon stellvertretend zur Schau stellt. Eine gewisse Genre-spezifische Theatralik wird auch durch die dezent eingesetzten Hintergrund-Arrangements zur Geltung gebracht, die der Platte einen ganz eigenen Charakter verpassen. Hier besondere Highlights herauszustellen erweist sich als schwierig, da sich das Album von Anfang bis Ende nahtlos zusammenfügt, ohne auch nur einen einzigen Aussetzer. Ich persönlich bekomme allerdings grad nicht genug von Dark Heart Ceremony, dem Anfang von Slow Death, da wäre auch noch der ultimative Refrain in Pale Ghost, oder das herbeigesehnte Ende der Welt in Six Feet Closer to Hell…ach, lassen wir das. Slow Death sollte definitiv am Stück gehört werden.

Das ist alles nicht virtuos und Carnifex werden auch niemals für den offiziellen Innovations-Preis nominiert, in ihrer Nische allerdings sind sie großartig, machen Spaß wie wenige andere Bands und seit der Veröffentlichung läuft Slow Death bei mir in Dauerschleife.

medieneffekt-punkte-acht

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