THAT`S THE SPIRIT: Track-by-Track Review zur neuen BRING ME THE HORIZON (max)

BMTH-Digipack

Wenige Alben habe ich dieses Jahr so erwartet wie That`s the Spirit. Vom schrammeligen Deathcore der alten Tage haben sie sich schon lange distanziert, jedes Album zeigte eine neue Entwicklung im Sound der Band und Sempiternal, Vorgänger von That`s the Spirit und Album Nummer vier, stand mit beiden Beinen auf der Stadionbühne.

Ich persönlich liebe jedes Album von Bring Me the Horizon. Die Rohheit des Debüts, der Groove, der sich später einschlich, die immer präsenter gewordenen Elektro-Spielereien und die aktuellen Hymnen, perfekt zum mitsingen. Die im Vorfeld veröffentlichten Tracks zu That`s the Spirit ließen mich allerdings etwas bangen und umso gespannter bin ich nun das Album heute, pünktlich zum Release, vor mir liegen zu haben.

Die Aufmachung des limitierten Digipacks ist schon einmal sehr schick und das schlichte schwarze Cover wird schön kontrastiert durch fließende Farben auf den Innenseiten und ein knallbuntes Booklet:

01 Doomed
Oha krass. Wie bei jedem Album haben sie den Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Dass das Album so beatlastig starten wird, habe ich nicht erwartet. Nach einigen Sekunden platzen dann aber doch die Gitarren heraus und machen den Weg frei für einen Refrain, der wahrscheinlich einige der alten Fans direkt zum Abschalten zwingen wird. Oliver Sykes Stimme kratzt nur noch wenig und schraubt sich tontechnisch ganz schön nach oben. Das hymnenhafte des Vorgängers wird konsequent weitergeführt.

02 Happy Song
Hat mir im Vorfeld nicht gefallen und tut es jetzt auch nicht. Der Cheerleader-Chor ist fürchterlich und der Track wirkt einfach platt und jetzt schon deplatziert. Nächster bitte.

03 Throne
Die erste richtige Singleauskopplung und das ist auch berechtigt. Throne rockt ohne Ende, vereint die bekannten Motive der Band mit dem neuen Sound, der noch eine Spur glatter daherkommt, aber trotzdem schön knallt und sich auch textlich im neuen positiveren Konzept der Band einrichtet. “So you can throw me to the wolves, tomorrow I will come back, leader of the whole pack.

04 True Friends
Die ersten Sekunden schmerzen schon ein bisschen im Ohr, da wird gesanglich arg dick aufgetragen, aber sobald die Band einsetzt mausert sich True Friends zu einem absoluten Kracher. Der bis jetzt “härteste” Track der Platte, abgerundet durch einige gute Ideen und einen coolen Höhepunkt, bei dem Drummer Matt Nicholls, wie so oft für mich, absolut heraussticht.

05 Follow You
Und schon wieder ein Beat. Ein runder kleiner Popsong, Oli holt die ganz hohen Töne heraus und es klingt als hätte Justin Timberlake die Band im Proberaum besucht. Entfernt sich für mich am weitesten vom bekannten Sound der Band. Follow You ist komplett radiotauglich, weiß aber zu gefallen.

06 What You Need
Die Rhytmussektion grooved von Anfang an schön nach vorne. What You Need hat für mich was von Old School-Rock à la Danko Jones. Sticht nicht besonders heraus, macht aber Spaß und kommt live bestimmt ausgezeichnet.

07 Avalanche
Netter Track, das ruhiger Anfang/erhebender Refrain-Schema nutzt sich aber langsam ab. Das erste Mal, dass mir Ecken und Kanten fehlen und ich den Druck vermisse, den sie sonst auch unter die poppigeren Sachen gemischt haben. Sehr blass.

08 Run
Wow. Der coolere Bruder von Avalanche. Das Schema funktioniert wieder, der Druck ist da und Samples bauen eine dichte Hintergrundatmosphäre. Wieder sticht das Schlagzeug besonders hervor, aber auch die Gitarren liefern endlich mal nicht nur einen Soundteppich und erinnern absolut positiv an den Meilenstein M4 (Part II) von Faunts.

09 Drown
Drown ist ja jetzt schon fast ein Jahr alt und sollte, so weit ich weiß, gar nicht auf einem Album veröffentlicht werden. So richtig in den Fluss der Platte hat er sich jetzt nicht eingefügt, dafür habe ich ihn aber vorher auch einfach schon zu oft gehört. Einer der besten Tracks der Band! Mehr muss man nicht sagen, direkt anhören:

10 Blasphemy
Schwierig. Hat mich zuerst unangenehm an Ami-Stadion-Fließband-Rock erinnert, macht dann im Laufe seiner vier­ein­halb Minuten doch einiges richtig. Schöne Gitarren inklusive kleinem Solo, Kopfnicker-Groove, es wird sich erst nach einigen Durchläufen richtig zeigen, in welche Richtung ich tendiere.

11 Oh No
Letzter Track und erneut eröffnet ein Beat. Oh No hat zuerst ein ähnliches Problem wie Blasphemy. Der Popfaktor ist extrem kitschig und macht wenig Spaß, irgendwann fallen dann aber Kleinigkeiten auf, die doch neugierig machen. Ich hätte nicht erwartet in einem BMTH Song mal ein Blasinstrument zu hören. Auch hier bleibe ich zwiegespalten.

FAZIT
In jedem Falle sind Bring Me the Horizon ihrer Linie treu geblieben und haben auch auf That`s the Spirit einen neuen Sound etablieren können. Der Pop hat sie in seine Arme geschlossen und da wollen sie anscheinend auch so schnell nicht mehr von weg. Schlecht muss das nicht sein, gute Popmusik ist heutzutage relativ schwer zu finden. Für mich hat besonders Justin Timberlake gezeigt, wie man musikalisch ernstzunehmend in diesem Genre beheimatet sein kann. Bring Me the Horizon schaffen diesen Schritt an sich auch, nur schielen sie durch den Rock-Aspekt teilweise in die Richtung von grauenhaften Bands wie 30 Seconds to Mars.
Definitiv kein schlechtes Album, das steht jetzt schon fest, nur ist es das erste, das ich nicht vorbehaltlos abfeiern kann, dafür wurde in einigen Momenten doch zu dick aufgetragen. Inwiefern sich das Album entwickeln wird, zeigt sich natürlich erst nach einigen Durchläufen. Für den ersten Hördurchgang und um meinen Gesamteindruck zu unterstreichen, gebe ich That`s the Spirit eine ordentliche

medieneffekt-punkte-sieben

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