THE BLACK DAHLIA MURDER: Das neue Album ABYSMAL im Review (max)

Black-Dahlia-Cover

BLACK DAHLIAAAAA! Pünktlich alle zwei Jahre gibt es ein neues Album der dicken Männer aus Detroit und ich mache immer schon direkt Platz im Regal. Sehr wenige Musiker haben einen so festen Platz bei mir und das Wort Fanboy passt wie der Death zum Metal. Seit ihr Erstlingswerk Unhallowed vor 12 Jahren veröffentlicht wurde, vergeht kaum eine Woche, in der nicht wenigstens einmal ein Track von ihnen läuft. Ich liebe es sie live zu sehen, ich feiere den Humor der Band und die ganz eigene Art sich nicht zu ernst, die Musik und ihre Fans aber umso ernster zu nehmen und selten hatte ich zu Mitgliederwechseln einen so emotionalen Bezug. Für mich steht einzig Album Nummer zwei Miasma etwas außerhalb des Schaffens von The Black Dahlia Murder, da ich nie komplett mit ihm warm geworden bin. Die restlichen Veröffentlichungen sind für mich dagegen aber Meilensteine des Metal und Ritual von 2011 ihr Meisterwerk.

Gestern wurde also Abysmal veröffentlicht und gespannt sein ist gar kein Ausdruck, gerade weil mich die beiden Vorab-Tracks Receipt und Vlad, Son of the Dragon eher kalt gelassen haben. Ich bin also losgedüst, habe mir das Album besorgt und mir nun eine doch recht umfangreiche Meinung gebildet. Gesellschaft dabei hat mir mein Freund Jan per Skype geleistet, der zwar selbsternannter Nicht-Experte ist, sich aber immer schön emotional reinhängen kann und mit dem ich Black Dahlia damals quasi entdecken konnte, da wir zusammen auf meinem ersten Konzert der Band waren und zwar am 20. Januar 2006 in der Zeche Carl. Er hat es sich dann auch nicht nehmen lassen am Ende ein eigenes kleines Fazit rauszuhauen.

Das Artwork ist, wie eigentlich immer, ein absoluter Augenschmaus. Die limitierte Deluxeversion ist aufklappbar und kommt mit einer 3-Track-Mini-Bonus CD.

01 Receipt
Receipt hatte ich im Vorfeld ja schon hören können und war nicht wirklich begeistert. Das Intro ist erstmal genial, super stimmig und sehr filmisch. Der Rest ist Black Dahlia-Standard. Zwar geil nach vorne, aber es fehlt einfach die Innovation. Der Song lässt die Frage zurück, ob die Band sich nicht langsam nur wiederholt.
Das Video bleibt auch blass und ist untypisch uninspiriert. Seltsame Wahl als Single.

02 Vlad, Son of the Dragon
Vorab-Track Nummer eins. Erst auch erstaunlich unspektakulär, wird aber durch die Lyrics enorm aufgewertet. Aus der Sicht von Vlad, dem Pfähler, dem realen Vorbild des Grafen Dracula, werden Gräueltaten beschrieben und die Rechtfertigung dieser durch den Grafen. Gruselig, packend und zeigt mal wieder, was für ein genialer Texter Trevor Strnad ist. Irgendwie poetisch widmet er sich der dunklen Seite der Menschheit.

03 Abysmal
WOOOOOW. DA SIND SIE JA ENDLICH!!! Die ersten beiden Tracks hätten auch auf der Everblack sein können, der Titeltrack allerdings fegt alle Zweifel weg. Trevor klingt hart wie noch nie, der Rhythmus am Anfang ist absolut genial brutal und an einigen Stellen kommt man gar nicht hinterher, freut sich aber auch gleichzeitig auf die kommenden Durchgänge und das Einfinden in die Struktur des Songs. Der erste Track, der dem Album einen eigenen Charakter gibt.

04 Re-Faced
Es geht tatsächlich so weiter. Super Track. Trevors Stimme sticht wieder besonders hervor, sein Wechseln zwischen hohem Kreischen und den tiefen Lauten wurde perfektioniert. Der Sound von Abysmal wirkt insgesamt brachialer als beim sehr melodischen Vorgänger, was hier gut zur Geltung kommt. Die großen Melodien sind jetzt eher im Detail zu finden, alle Instrumente fügen sich zu einem Soundgewitter zusammen, auf dem die Stimme thronen kann und unerbittlich nach vorne peitscht. Am Ende wieder ein kleines Sample, das dem Song einen szenenartigen Anstrich gibt.

05 Threat Level No. 3
Alter Schwede. Neuer Schnelligkeitsrekord. Stimme und Musik pushen sich immer mehr nach vorne und auch Ryan Knights unabdingbares Solo fügt sich großartig ein. Der dritte Track in Folge, der nur auf diesem Album hätte sein können und jetzt schon zu den besten Liedern der Band gehört. Der Text ist versehen mit starken Bildern und benutzt das schwierige Thema der Pädophilie als Aufhänger für eine tiefer gehende Gesellschaftskritik. Schocken steht gar nicht mehr nur im Vordergrund.

06 The Fog
Wieder ein Werwolf Song. Textlich erneut sehr ausschnitthaft, man hat die Szene im Horror-Film direkt vor Augen. Die Gitarrenmelodie des Anfangs ist herausragend und das Solo kommt überraschend fröhlich daher, aber nicht unpassend. Ganz im Gegenteil, The Fog könnte sich zum Hit des Albums mausern.

07 Stygiophobic
Das atmosphärische Sample am Anfang führt wunderbar in die Stimmung ein. Die Angst vor der Hölle wird im Titel und Text thematisiert und nach dem ganzen Geballer ist Stygiophobic der dunkle Durchatmer der Platte. Wirkt eher wie ein Interlude, passt perfekt an die Stelle, würde aber aus dem Kontext enthoben weniger funktionieren.

08 Asylum
Durchatmen war auch wirklich notwendig. Was ein Sturm, den die Jungs da loslassen, mit großartigen Lyrics über die Vergessenen in der Anstalt. Absolut gewaltig und endlich sind Ryan Knights Soli eine perfekte Bereicherung und nicht nur bloßes Gefrickel, wie auf einigen Songs der Vorgänger. Hier stimmt alles und der Charakter des neuen Albums hat sich endgültig gefestigt.

09 The Advent
Der Anfang brettert nach vorne weg, die Rhytmusgitarren sind atemberaubend, dann verliert sich The Advent fast in Black Dahlia-Mittelmaß, bevor der Refrain einen in absolut symphonische Höhen schwingt. Das ist man von der Band so nicht gewohnt und mir kamen direkt die Melodien von Hypocrisy in den Sinn. Wow! Was komplett Neues im Hause Black Dahlia.

10 That Cannot Die Which Eternally Is Dead
So klar, dass die mit einem fetten Song-Intro enden. Versetzt einen direkt auf einen schrägen Grusel-Jahrmarkt. “We´ve come again to the end my friends“. Textlich wird das Album schön rund abgeschlossen und auch musikalisch wurde sich ein ziemlicher Knaller für das Ende aufgespart. Bringt die neue Brachialität wunderbar rüber.

Deluxe Edition Bonus Tracks:
01 We Dead Are Best Left Underground
Passt als Bonustrack, hätte auf dem Album allerdings gestört. Black Dahlia-Standard ohne besondere Merkmale.

02 Hellion
Boah, brutaler Knaller und schneller als schnell. Wirkt wie eine eigene Variante der Coverversionen der Grind ‘Em All EP. Ein richtiger Hit und trotz einer Minute Laufzeit ein dicker Grund sich die Deluxe Edition zu besorgen.

03 Der Ton
Der zweite Grund. TREVOR SCHREIT AUF DEUTSCH!!! Der Text stammt von Gründungsmitglied und Rhytmusgitarrist Brian Eschbach. “Die Gitarre ist mein Gott. Der Ton. Der Ton. Er macht mich an. Dafür gibt es keinen Ersatz. Du musst spielen. Du musst spielen.” Hart. Schnell. Großartig.

FAZIT (max)
Die Befürchtungen waren absolut unbegründet! Nach einem schwachen Opener lassen meine Lieblings-Metaller die Hölle los. Abysmal ist vollkommen rund und eines der homogensten Alben der Bandgeschichte. Passend zum feurigen Szenario wurde die Melodie zurückgeschraubt und hinter geradlinigem Geballer versteckt. Der Sound reißt sich richtig in die Gehörgänge und über allem schwebt Trevor als wahnsinniger Dirigent. Ohne seine Mitmusiker würde das aber natürlich nur halb so gut funktionieren. Hier spielt jeder auf der Höhe seiner Kunst und auch wenn meine Traumkonstellation, mit Bart am Bass und Shannon am Schlagzeug, Vergangenheit ist, so sind Max und Alan doch mehr als würdige Nachfolger.
Wie ich so gerne sage, spielen The Black Dahlia Murder immer noch in einer ganz eigenen Liga und messen müssen sie sich nur an ihren eigenen Alben. Mal sehen wie sich Abysmal letztendlich in die Diskographie einfügen wird. Bis dahin gibt es von mir schon einmal eine großartige

medieneffekt-punkte-neun

FAZIT (jan)
Max ist für mich immer eine Quelle für neue Alben, neue Bands oder neue Musikrichtungen gewesen. Viele Bands, die ich heute höre, haben ihren Anfang mit einem “Hör dir das mal an!” oder “Das musst du dir unbedingt anhören!” genommen. Umso spannender war es jetzt zeitgleich ein neues Album mit ihm zu hören und unsere ersten Eindrücke zu teilen.
Mein Fazit bleibt dabei recht knapp, da Max das wesentlich fundierter und präziser kann. Kurz gesagt, Abysmal ist ein Top Album. Die Lieder fügen sich stimmig zu einem Gesamtbild zusammen. Es wird ein unglaubliches Tempo aufgebaut, besonders Frontmann Trevor Strnads Gesang mit neuem Geschwindigkeitsrekord. Dazwischen ein schöner Ruhepunkt mit Stygiophobic in der Mitte. Dazu kommen düstere und brutale Lyrics, die dabei tiefgründig und nicht platt oder banal sind.
Die Deluxe Edition bietet eine wirklich mehr als lohnenswerte Bonus CD mit drei extra Tracks und wer auf hochwertiges Artwork steht, wird bei diesem Album definitiv nicht enttäuscht.
Für mich ein tolles neues Album mit neuen Ideen, die es von seinen Vorgängern abhebt. “We`ve come again to the end my friends“. Für mich ebenfalls

medieneffekt-punkte-neun

Verfasse einen Kommentar:

*

Folgende HTML tags und Attribute kannst du verwenden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>