WEEKEND OF HELL 2016 (carsten)

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Jetzt bricht die beste Zeit des Jahres an. Endlich lockt das Wetter nicht mehr vor die Tür, sondern zwingt mich schon fast dazu, Zuhause zu bleiben und haufenweise Filme zu gucken oder Games zu zocken. Diese Jahreszeit wird bei uns mit dem Weekend of Hell eingeleitet, einer Messe in Oberhausen, die sich ganz dem Thema Horror verschrieben hat. Ein komplettes Wochenende voller Stars aus der Szene, schauriger Dekoration und Massen an Filmen, die gekauft werden wollten, paradiesischer geht es kaum. Mit dabei waren traditionell Rebecca, die wie immer die ganzen Fotos geschossen hat und meine Mutter, die unzählige DVDs  und Blu-rays mit nach Hause gebracht hat. Außerdem hat sie mich mehr als einmal an den Rand der Verzweiflung getrieben, aber dazu später mehr.

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Das Weekend of Hell startete bereits angenehm, bevor man überhaupt das Messegelände betreten hat. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt sind nämlich die guten Parkmöglichkeiten rund um die Turbinenhalle in Oberhausen. Wo man bei anderen Messen, wie der Gamescom, zehn Euro berappen muss, um sein Auto kilometerweit vom Austragungsort abstellen zu dürfen, parkt man beim Weekend of Hell quasi neben dem Eingang. Dann geht es nur noch eine Treppe hoch und schon findet man sich umringt vom hübsch designten Eingangsbereich wieder. Noch an der Kasse vorbei und zack, schon ist man mitten im Geschehen. Spätestens hier wird klar, was das Thema ist: Die scharfen Krallen unseres Lieblings-Serienmörders Freddy Krüger wurden wenige Zentimeter neben meinem Gesicht gewetzt. Optimaler Beginn würde ich sagen.

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Hat man den Eingangsbereich (und Freddy) hinter sich gelassen, kam man in eine der zwei großen Haupthallen. Hier fanden sich zunächst einmal zig Stände mit allem, was das Horror-Herz begehrt. Von Schmink-Ständen über Merchandise bis hin zu Zeitschriften und Büchern, hier wurde der geneigte Fan sicher fündig. Aus der Masse heraus stach für uns sehr deutlich der Stand von Frollein Fritz. Die gute Frau besuchte mit ihrer selbstgemachten Dekoration zum ersten Mal das Weekend of Hell. Neben Büchern, Bildern und verschiedenem Kleinkram zogen uns die Lampenschirme sofort in ihren Bann. So sehr, dass wir direkt einen mit nach Hause nehmen mussten. Im Nachhinein ärgere ich mich sogar, dass wir nicht mehr Stuff von ihrem Stand gekauft haben. Das Tolle an ihren Produkten: Zwar lässt sie eine gehörige Portion Kitsch mit ins Design einfließen, das Ganze wirkt aber zu keinem Zeitpunkt plump oder gar aufgesetzt. Natürlich passte alles thematisch ins gruselige Gesamtbild der Messe. Der Lampenschirm wird jedenfalls einen schönen Platz in unserer Wohnung finden, so viel ist sicher. Wenn ich Euer Interesse wecken konnte, dann schaut doch einfach mal auf ihrer Facebook-Seite vorbei. Ich hoffe, man sieht sich im nächsten Jahr wieder!

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In der gleichen Halle gab es, wie jedes Jahr, wieder einige Stars, bevorzugt aus dem Horror-Genre, zu bestaunen. Auch wenn mir persönlich dieser Bereich wenig zusagt, mussten wir natürlich einmal durchstreifen und schauen, wer sich da so rumtreibt. Mit Natasha Henstridge gab es direkt einen großen Namen meiner Jugend auf dem Gelände. Die Dame spielte im Sci-Fi-Horror-Streifen Species die Hauptrolle und sorgte im kolossal schlechten Ghosts of Mars neben Ice Cube für gute Laune. Cool, sie einfach mal live zu sehen. Dann gab es noch Sons of Anarchy-Star Tommy Flanagan und Der Blutige Pfad Gottes-Darsteller Sean Patrick Flanery, die Rebecca unbedingt sehen wollte. Beide waren gut gelaunt und bereit für Gespräche, Fotoshoots und Autogramme. Absolutes Highlight in diesem Jahr war aber wohl John Carpenter. Ja, John Carpenter, der Regisseur von Meilensteinen wie The Thing, Halloween oder Sie leben besuchte deutschen Boden und machte das Weekend of Hell unsicher. Leider konnten wir ihn nicht erleben, da er nur Sonntag vor Ort war. Trotzdem ein fetter Gewinn für die Veranstaltung und einer meiner großen Stars.

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Weiter ging es mit ner kleinen Enttäuschung für mich. Okay, eigentlich gab es nach dem Stars-Beglotzen erstmal ein Salitos-Bier und ein Schnitzel-Brötchen, beides war überraschend gut, aber dann wollten wir weitergehen und eine kleine Nebenhalle besuchen, die im letzten Jahr unter anderem einen abgefahrenen Games-Retro-Stand zu bieten hatte. Leider wurde dieser Bereich aber nicht genutzt, was wohl auch daran liegt, dass er in einer hinteren Ecke liegt und leicht übersehen werden kann. Trotzdem fand ich den Abschnitt im letzten Jahr sehr ansprechend und ich hatte mich darauf gefreut, was mich denn diesmal erwarten würde. Aber zum Glück gab es da noch die zweite große Halle inklusive dem Erzfeind meines Kontos: Dem Händlerbereich.

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Direkt neben dem Händler-Bereich haben die FrightGuys ihr Lager aufgeschlagen. Okay, das sie vor Ort waren war keine große Überraschung, schließlich sind sie Dauergast auf dem Weekend of Hell. Trotzdem freue ich mich jedes Jahr aufs Neue, die Jungs und Mädels zu treffen und zu sehen, was für Verkleidungen und Dekorationen sie diesmal auffahren. Wer die FrightGuys nicht kennt: Das sind sechs Film-Fans, die ihr Hobby auf eine professionelle Ebene gehoben haben. Seit 2009 sorgen sie mit erstaunlich coolen Dekorationen, Kostümen und Puppen auf Messen für gruselige Stimmung. Was mir an der Truppe besonders gefällt: Sie zeigen sich enorm abwechslungsreich. Einmal haben sie verschiedene Jason Vorhees-Puppen ausgestellt, im letzten Jahr gab es eine siffige Saw-Toilette und diesmal durfte ich mit Captain Spaulding, dem Monster aus Jeepers Creepers und Ash aus Evil Dead posieren. Einfach eine coole Gruppe, die mich immer wieder schaurig schön unterhält. Bin sehr gespannt auf Euren Auftritt im nächsten Jahr!

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Dann war es soweit. Die Nemesis. Der Untergang. Der Sensenmann für mein Konto erhob seine gierigen Finger und zog mich unbarmherzig ins Nirvana. Klar ausgedrückt: Wir betraten den Bereich, in dem man die meisten Filme kaufen konnte. Auch diesmal galt es wieder einige Schmuckstücke zu ergattern, nerdige Gespräche zu führen und vor allem die Sammlung zu erweitern. Nebenbei musste ich noch meine Mutter im Zaum halten, die quasi bei jedem Stand stehen blieb, alles durchblätterte und immer, wenn sie einen Film fand, den sie bereits besaß, kam ein lautes „Ooooohhhh, guck mal Carsten, den hab ich ja schon in meiner Sammlung, der ist super.“  oder Ähnliches. Noch besser: Wenn man grade dabei ist, mit einem der Händler über den Schwachsinn zu schwafeln, den Olaf Ittenbach mit seinen Splatter-Machwerken verzapft hat und dann durch die halbe Halle gezerrt wird, um sich anzuhören, dass sie endlich Basket Case Teil zwei und drei gefunden hat. Nun ja, dafür hat sie aber auch die ein oder andere Runde Trinken spendiert, also geht das wohl grade noch so in Ordnung.

Ansonsten war es wieder sehr angenehm, mit den Verkäufern ins Gespräch zu kommen, da diese grundsätzlich selber Film-Freaks sind. Mit einem verquatschte ich mich eine gute viertel Stunde. Thema waren die Splatter-Trash-Werke von Troma, von denen ich mittlerweile ein großer Fan geworden bin. Den Toxic Avenger muss man einfach lieb haben, weswegen ich mir gleich den dritten Teil seiner Abenteuer im schicken Mediabook sicherte. Nächstes Jahr folgt dann noch Teil vier. Hier ergatterte ich noch Class of Nuke ‘Em High, ebenfalls ein Werk aus der Troma-Schmiede, den wirren Klopper Adam Chaplin in einer um vier Minuten verlängerten Fassung, The Hills Have Eyes 2 und Misery. Letztgenannter Film wanderte gleich zweimal über die Ladentheke, denn meine Mutter brauchte den Streifen ebenfalls.

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Einen dicken Reinfall gab es dann aber doch: Shion Sonos neuester Film, Tag, bot sich im schnieken Mediabook an. Der Regisseur von Love Exposure und Strange Circus gehört, neben Takashi Miike und Takeshi Kitano, zu meinen absoluten Favoriten aus Japan, weshalb es klar war, dass der Film gekauft wird. Dazu noch in einer schicken Verpackung und, darauf habe ich natürlich geachtet, mit japanischer Original-Synchro. Super. Fanboy-Herz, was willst du mehr? DEUTSCHE UNTERTITEL ZUM BESIPIEL!!! Richtig gelesen, Tag besitzt zwar die originale Vertonung und optional gibt es auch eine deutsche Tonspur, jedoch nützt mir erstgenanntes herzlich wenig, wenn ich kein Wort Japanisch verstehe und es keine Untertitel gibt. Ich stehe jetzt also vor der Wahl: Entweder schaue ich Tag mit deutscher Synchro, was bei einem Film aus Asien einfach Murks ist, oder ich ziehe mir den Film rein, ohne ein einziges Wort zu verstehen. Da hat der Verleih wirklich ins Klo gegriffen, unfassbar sowas. Bei einem Splatter-Schinken im Stile eines Story of Ricky oder Tokyo Gore Police kann ich noch mit der deutschen Synchro leben, aber einen ernsten Film aus der Feder von Shion Sono kann ich mir nur im Original geben. Bis auf diesen Aussetzer bin ich aber sehr zufrieden mit meinen Einkäufen in diesem Jahr.

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Schön war es, wie immer eigentlich. Ich kann kaum was anderes am Ende sagen, außer, dass ich mich schon auf den nächsten Besuch in Oberhausen freue. Da ich kein besseres Ende für diesen Artikel hier finde: Stellt Euch einfach das Finale eines beliebigen Horror-Films aus den achtzigern vor. Blutig, lustig, unterhaltsam und ein wenig bekloppt. Dazu noch eine Prise Sex und zack, schon habt Ihr die perfekte Vorstellung vom Weekend of Hell. Bis 2017 dann.

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